Rolf Benz ADDIT

von Studio Aisslinger

Genese eines Lieblingsortes

Mit Rolf Benz ADDIT haben Tina Bunyaprasit und Werner Aisslinger ein progressives, modulares Sofasystem mit ikonischem Potenzial entworfen und einmal mehr visionären Esprit und handwerkliche Expertise bewiesen. Die innovative Sofa-Landscape eröffnet eine völlig neue Perspektive für individuelles Wohnen und zeigt die Marke Rolf Benz von einer ungewohnt verspielten Seite, ohne es dabei an der charakteristischen Klarheit fehlen zu lassen. Wenn man so möchte, ist es den beiden Berliner Designern in engem Zusammenspiel mit Rolf Benz gelungen, eine Sofa gewordene Antwort auf unsere hyperindividualisierte Zeit zu formulieren.

Wir sprachen mit den beiden Designern über den Schaffensprozess von der Aufgabenstellung bis zur Premiere auf dem Salone del Mobile 2019.

Phase 1: Vom Briefing zum Design

Frau Bunyaprasit, Herr Aisslinger, wie nähert man sich als Designer einer solchen Aufgabe? Wo fängt man an?

 

W. Aisslinger: Zunächst einmal war da ein sehr ausführliches und wirklich gutes Briefing von Rolf Benz – mit präzisen Vorgaben und gleichzeitig genügend Spielraum für eigene Gedanken. Das ist die Basis unserer Arbeit. Im Idealfall lässt man das Briefing dann erst einmal eine Weile sacken. Später folgen dann die ersten Ideenskizzen.

T. Bunyaprasit: Es kann helfen, wenn man sich überlegt, was man sich eigentlich selbst wünscht. Was einem in dieser Sofawelt vielleicht noch fehlt und was man gerne in die Welt setzen würde. Damit ist so ein Auftrag letztlich auch immer eine tolle Chance, sich seine eigenen Wunschvorstellungen zu erfüllen.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?

 

W. Aisslinger: Wir reisen super viel. Das kommt natürlich auch durch die verschiedenen Aufträge und Projekte. Und wir leben in einer sehr inspirierenden Stadt. In Berlin ist eigentlich jeder Tag Inspiration. Da reicht es oft schon einfach so durch den Kiez zu laufen. Als Designer absorbiert man seine Umwelt – und lässt das Gesehene oder Erlebte in die eigene Arbeit einfliessen.

T. Bunyaprasit: Inspiration kann vieles sein. Auch ein Blick in die Vergangenheit. Kindheitserinnerungen zum Beispiel. Man kann sich zurückversetzen und fragen, was man früher geliebt hat. Gerade beim Thema Sofa spielt Wohlbefinden und dieses Gefühl von Geborgenheit eine ganz zentrale Rolle. Da kann der Blick zurück sehr nützlich sein.

Was war die Idee hinter Rolf Benz ADDIT?

 

T. Bunyaprasit: Es ging darum, ein Sofasystem zu entwickeln, das als universeller Lieblingsort taugt und allen Facetten des modernen Alltagslebens Rechnung trägt.
Das System versteht sich als eine Art Baukasten. Man kann unterschiedlichste Komponenten nach Belieben kombinieren. Diese besondere Flexibilität gibt dem Ganzen etwas sehr persönliches.

W. Aisslinger: Es ging darum einen Lieblingsort zu schaffen. Eine Collagewelt. Eine kleine persönliche Wunderkammer. Einen Ort, an dem sich Dinge akkumulieren, die aus dem eigenen Leben stammen oder Teil des Baukastens sind. Das Thema Collage beschäftigt uns schon länger. Wir versuchen keine monochromen Stilwelten zu bauen, sondern verschiedene Materialien, Welten und Oberflächen zusammenzubringen. Als Designer verstehen wir uns als eine Art DJ, der das Ganze so mixt, dass es sowohl für den Endkunden als auch für die Marke Rolf Benz funktioniert.

Phase 2: Vom Papier in die Umsetzung

Wie wird die Idee konkretisiert?

 

T. Bunyaprasit: Wir machen jede Menge Skizzen. Die entstehen nicht nur klassisch an unserem Arbeitsplatz im Studio, sondern zum Beispiel auch spontan auf der Serviette beim Lunch im Restaurant. Am Anfang ist alles noch ziemlich krakelig. Aber wir gehen dann relativ schnell in die 3D-Programme, um wirklich realistische Proportionen darzustellen. Alles entsteht erst digital am Bildschirm und wird dann anhand von realen Modellen analog umgesetzt.

W. Aisslinger: Weil ein Sofa heute oft frei im Raum steht, muss es von allen Seiten gut wirken. Also auch von hinten. Mit unseren Software-Tools können wir das gut überprüfen. Auf dieser Basis baut Rolf Benz dann die Muster. Es geht also tatsächlich relativ schnell von der 3D-Computerphase in reale Volumenmodelle.

Wie gehen Sie bei der Auswahl der Materialien vor? Worauf achten Sie dabei besonders?

 

T. Bunyaprasit: Wir sammeln viele Materialien und haben ein entsprechend großes Materiallager. Das gibt uns die Möglichkeit, unterschiedlichste Materialien nach Lust und Laune zu kombinieren und mit der Haptik und Optik zu experimentieren.

W. Aisslinger: Dabei sind uns vor allem ehrliche, authentische Materialien wichtig. Nichts Artifizielles. Es geht um Glas, um Stein, um Stoffe, um Leder und um schöne Texturen. Die Finishes sind sehr wichtig, also ob etwas matt oder glänzend ist. Oder körnig daherkommt. Es ist eine Melange. Und natürlich spielt auch das Know-how und die Welt von Rolf Benz eine entscheidende Rolle. Das heisst ganz konkret: Welche Materialien sind verfügbar? Und wie sehen die neuesten Stoffkollektionen aus?

Phase 3: Teamwork an den Prototypen

Was passiert in der Prototyp-Phase?

 

W. Aisslinger: Das ist ein sehr spannender und symbiotischer Moment. Hier kommt es zum Abgleich zwischen der Marke Rolf Benz und uns als Design-Team. In der Prototyp-Phase sitzen die Ingenieure und Entwickler mit am Tisch. Und alles kommt auf den Prüfstand. Wo hat die Optik Priorität, wo die Konstruktion? Gibt es mögliche Sparpotenziale, ohne dass die Qualität beeinträchtigt wird. Fragen wie diese gilt es in der Prototyp-Phase im Team zu beantworten.

T. Bunyaprasit: Für mich ist die Prototyp-Phase mit die aufregendste. Man sieht das Sofa endlich ganz real vor sich, kann es anfassen und darauf Platz nehmen. So lassen sich Optimierungspotenziale oft ganz unmittelbar erkennen.

 

Welche Tests muss der Prototyp bestehen?

 

T. Bunyaprasit: Zunächst einmal läuft man um das Sofa herum und begutachtet es von oben bis unten. Man fasst es an. Man setzt sich darauf. Man lässt sich auch einfach mal auf das Sofa fallen, um zu spüren, ob es sich gut anfühlt. Und dann überlegt man auch, ob die Grösse so tatsächlich stimmt.

W. Aisslinger: Es geht dabei natürlich viel um Ergonomie und Sitzkomfort. Aber im Fall von ADDIT ging es auch um Lässigkeit und Weiterentwicklung. Man hat sich bei Rolf Benz ja explizit etwas Progressives gewünscht. Dies alles unter einen Hut zu bringen war eine ziemliche Herausforderung. Aber genau das ist es ja auch, was unseren Job am Ende so reizvoll macht.

Phase 4: Vom Prototyp zur Produktion

Was ist das Besondere an der Produktionsphase?

 

W. Aisslinger: Das Spannende bei Rolf Benz ist, dass alles komplett Made in Germany ist. Wir sprechen hier von höchster Verarbeitungsqualität. Genau darum geht es letztlich – um die Umsetzung dieses hohen Qualitätsanspruchs bis ins Detail. An jeder einzelnen Naht wird überlegt: Ist das die richtige, die bestmögliche Lösung? Wo fängt die Naht an, wo endet sie? Dann geht es um Konstruktionselemente wie Metallknotenpunkte und Anformungen. Das ist dann das Tuning des Entwurfes und macht besonders viel Spaß. Vor allem mit einem erstklassigen Partner wie Rolf Benz, der in dieser Hinsicht besonders versiert ist und großen Wert auf höchste Perfektion legt.

T. Bunyaprasit: Handwerkliche Perfektion wird sowieso immer wichtiger. Schön, wenn man wie hier mit Rolf Benz die Möglichkeit hat, dieses hochwertige Qualitätshandwerk auch tatsächlich konsequent bis ins kleinste Detail zu verwirklichen.

Phase 5: Das fertige Produkt

Was sind die Design-Highlights von Rolf Benz ADDIT?

 

W. Aisslinger: Rolf Benz ADDIT bietet eine ganze Reihe toller Highlights. Da wären zum Beispiel die erstklassig verarbeiteten Kissen mit ihren tollen Nähten und ihrem angenehmen Volumen für ausgezeichneten Sitzkomfort. Oder das elegante Plateau, das dafür sorgt, dass das Sofa förmlich zu schweben scheint. Hinzu kommt der darunterliegende Rahmen mit seinen Plug-in-Optionen – zum Beispiel für kleine Side-Tables oder Ablagen. Denn ADDIT ist nicht nur ein Sofa. Es ist eine ganze Landscape. Ein grosser, durchdachter Baukasten, der sich spielerisch, freundlich und einladend präsentiert.

T. Bunyaprasit: Eine weitere Besonderheit ist die Lässigkeit des Systems. Es ist ein relativ leichtes Möbel mit knuffigen, weichen Kissen. Es sieht nicht nur gemütlich aus, sondern ist es auch tatsächlich. Es ist eine Landschaft, die stetig wachsen kann. Es gibt nichts Statisches, das das persönliche Wachstum blockieren könnte. Das ganze System hat eine sympathische Leichtigkeit, die es seinen Besitzern erlaubt, immer wieder neu zu denken.

 

Aus welchen Bestandteilen setzt sich Rolf Benz ADDIT zusammen?

 

W. Aisslinger: Rolf Benz ADDIT – das sind Sofa, Sessel, Beistelltischchen, Plug-in-Tablets, freistehende Side-Tables, Regalmöglichkeiten sowie eine eigene fein abgestimmte Teppichkollektion. Und es sollen weitere Elemente folgen. Der Baukasten wird weiter wachsen und neue Möglichkeiten eröffnen. Gemeinsam mit Rolf Benz wollen wir an der ADDIT-Welt weiterbauen. Es bleibt also spannend. Am Ende dieses langen Entwicklungsprozesses – was war letztlich die größte Herausforderung? Und was hat am meisten Spaß gemacht? W. Aisslinger: Die hohe Rolf Benz Qualität so luftig-leicht und lässig zu interpretieren war eine Herausforderung, die gleichzeitig unglaublich viel Spass gemacht hat.

T. Bunyaprasit: Stimmt genau. Die Zusammenarbeit mit Rolf Benz war nicht nur von Anfang an höchst professionell, sondern auch wahnsinnig inspirierend und herzlich. Gerne mehr davon.